Das IfBQ stellt Fachkräften in Kitas und Schulen Einschätzungsbögen für die Dokumentation überfachlicher Kompetenzen (ÜKO) von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Diese ÜKO-Bögen bieten den pädagogischen Fachkräften ein standardisiertes Instrument, mit dem sie relativ einfach einen Überblick über die wesentlichen fachübergreifenden Kompetenzen und Potenziale einzelner Kinder und Jugendlicher erhalten. Der Einsatz eines standardisierten Verfahrens und transparent formulierter Kriterien erleichtert und versachlicht die Kommunikation zwischen allen am Bildungsprozess beteiligten Personen. Durch die regelmäßige Betrachtung überfachlicher Kompetenzen anhand dieses Instruments kann die Entwicklung überfachlicher Kompetenzen von der Kita bis in Jahrgangsstufe 10 der allgemeinbildenden Schule begleitet werden. Die Ergebnisse sollen auch unter Bezug auf die fachlichen Kompetenzen für die Lernentwicklungsplanung genutzt werden.

Der Erwerb überfachlicher Kompetenzen ist sowohl Voraussetzung als auch Ziel langfristig erfolgreicher Bildungsprozesse. Die Einschätzung überfachlicher Kompetenzen

  • erweitert den Blick auf die Kompetenzentwicklung der Kinder und Jugendlichen über die fachlichen Dimensionen hinaus und
  • bietet Ansatzpunkte für eine individuelle Lern- und Förderplanung.

1 Übersicht über die Struktur

Personale Kompetenzen Lernmethodische Kompetenzen
Selbstwirksamkeit

…hat Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Lernstrategien

…weiß wie sie/er gut lernt und kann sich die Arbeit einteilen

Selbstbehauptung

…entwickelt eine eigene Meinung und steht dazu

Problemlösefähigkeit

…nutzt verschiedene Wege, um Probleme zu lösen

Selbstreflexion

…schätzt eigene Fähigkeiten realistisch ein und nutzt sie

Medienkompetenz

…kann Informationen zu einem Thema finden und zusammenstellen

Motivationale Einstellungen Soziale Kompetenzen
Engagement

…setzt sich für Dinge ein, die ihr/ihm wichtig sind

Kooperationsfähigkeit

…arbeitet gut mit anderen zusammen

Lernmotivation

…ist motiviert, etwas Neues zu lernen

Konstruktiver Umgang mit Konflikten

…kann mit Streit und Konflikten umgehen

Ausdauer

…arbeitet ausdauernd und konzentriert

Konstruktiver Umgang mit Vielfalt

…achtet und respektiert andere Werte und Lebensweisen

2 Entwicklung der ÜKO-Bögen

Die ÜKO-Bögen zur Einschätzung überfachlicher Kompetenzen wurden vom IfBQ zusammen mit einer Arbeitsgruppe um Prof. Jens Möller an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entwickelt. Diese seit 2012 zunächst als sog. KEKS-Bögen (Kompetenzerfassung in Kita und Schule) online bereit gestellten Bögen wurden in mehreren Schritte empirisch überprüft, weiter entwickelt und überarbeitet.

Seit Juni 2020 stehen aktualisierte Bögen in einer auf Grundlage der Datenauswertungen nochmals leicht gekürzten und präzisierten Fassung mit jetzt insgesamt zwölf Kernitems (je drei Items für vier Bereiche) zur Verfügung.

Die Kompetenzbereiche und die Items der Einschätzungsbögen sind inhaltlich abgestimmt mit den in den Hamburger Bildungsplänen und Zeugnissen ausgewiesenen überfachlichen Kompetenzen. Für den vorschulischen Bereich orientieren sich die Bögen an den Hamburger Bildungsempfehlungen für Kitas sowie am Bildungsprogramm für die Vorschulklassen. Für die jüngeren Kinder in Kitas und Vorschulklassen können zusätzlich auch fachliche Kompetenzen der Bereiche Sprache und Mathematik beschrieben werden.

3 Beschreibung der Kompetenzbereiche

Überfachliche Kompetenzen – Grundlage erfolgreicher Lernprozesse

Überfachliche Kompetenzen sind Voraussetzung für die Bewältigung unterschiedlicher Herausforderungen und für langfristig erfolgreiches Lernen. Sie werden verstanden als kognitive und handlungsbezogene Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie soziale und motivationale Haltungen und Einstellungen (Weinert 2001). Der bewusste Blick auf überfachliche Kompetenzen sowie ihre gezielte Stärkung sind von Anfang an wesentlicher Bestandteil bei der Begleitung von Lernprozessen.

Überfachliche Kompetenzen sind nicht einzelnen Bildungsbereichen oder Fächern zugeordnet, sondern bereichsübergreifend relevant. Sie sind als Schlüsselqualifikationen Grundvoraussetzung für den Erwerb bereichsspezifischer Kompetenzen und darüber hinaus essentiell für den Umgang mit anderen und für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Für den Unterricht in allen Fächern gilt es daher, die Entwicklung und Förderung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen zusammen zu denken und zu konzipieren.

Überfachliche Kompetenzen werden aufgeteilt in die Bereiche Personale Kompetenzen und motivationale Einstellungen, sowie lernmethodische und soziale Kompetenzen.

Personale Kompetenzen beschreiben Einstellungen und Haltungen sich selbst gegenüber. Es geht dabei um das Bewusstsein eigener Stärken, Schwächen und Potentiale und eine gesunde Form von Selbstvertrauen. Schüler*innen mit gut ausgeprägten personalen Kompetenzen nehmen Herausforderungen an, schätzen sich realistisch ein und lassen sich durch Misserfolge nicht entmutigen. Sie entwickeln eine eigene Meinung, stehen dazu und können sich behaupten.

Kernkompetenzen in diesem Bereich sind: Selbstwirksamkeit, Selbstbehauptung, Selbstreflexion.

Motivationale Einstellungen sind Motor jeden Handelns und nehmen so Einfluss auf das lernbezogene Verhalten. Schüler*innen mit gut ausgeprägten motivationalen Einstellungen zeigen Einsatz, Engagement und Zielstrebigkeit. Sie strengen sich an, um sich zu verbessern und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erweitern. Dabei arbeiten sie ausdauernd und konzentriert und bringen Vorhaben zum Abschluss. Voraussetzung für ein engagiertes und motiviertes Lernverhalten ist ein inhaltliches Interesse am Lerngegenstand und an der Erkundung neuer Themen.

Kernkompetenzen in diesem Bereich sind: Engagement, Lernmotivation, Ausdauer.

Lernmethodische Kompetenzen bilden die Grundlage für einen bewussten Wissens- und Kompetenzerwerb und damit für erfolgreiches, selbst gesteuertes Lernen. Wesentlich sind dabei die Kenntnisse über die Mittel und Methoden, wie man lernt. Schüler*innen mit gut ausgeprägten lernmethodischen Kompetenzen gehen planvoll, strukturiert und systematisch beim Lernen vor. Dabei überprüfen sie regelmäßig ihre Arbeitsergebnisse und korrigieren sie bei Bedarf. Sie denken und handeln vorausschauend, erkennen Zusammenhänge und finden neue Lösungswege. Sie wissen, wie sie an Informationen gelangen, die sie auch kritisch hinterfragen und einordnen.

Kernkompetenzen in diesem Bereich sind: Lernstrategien, Problemlösefähigkeit, Medienkompetenz.

Soziale Kompetenzen sind erforderlich, damit Kinder und Jugendliche in der Interaktion mit Anderen gut zurechtkommen. Sie sind die Voraussetzung dafür, soziale Beziehungen aufzunehmen und so zu gestalten, dass sie von gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung geprägt sind. Schüler*innen mit gut ausgeprägten sozialen Kompetenzen arbeiten konstruktiv in Gruppen und unterstützen andere. Sie erkennen die Vorschläge und Leistungen anderer an und halten sich an Regeln und Absprachen. Konflikten gehen sie nicht aus dem Weg, sondern zeigen sich kompromissbereit. Sie verstehen und respektieren die Gefühle und Grenzen anderer und berücksichtigen ihre Interessen. Anderen Lebensweisen und Kulturen gegenüber sind sie aufgeschlossen, tolerant und respektvoll.

Kernkompetenzen in diesem Bereich sind: Kooperationsfähigkeit, konstruktiver Umgang mit Konflikten, konstruktiver Umgang mit Vielfalt.

Literatur

Heckt, M., Klitsche, S., Pohlmann, B. (2019). Überfachliche Kompetenzen als Grundlage erfolgreicher Bildungsprozesse. In: Hamburg macht Schule 2/2019, S. 39-42.

Helm, F., Pohlmann, B., Heckt, M., Gienke, F., May, P. & Möller, J. (2012). Entwicklung eines Fragebogens zur Einschätzung überfachlicher Schülerkompetenzen. Unterrichtswissenschaft. Zeitschrift für Lernforschung, 40 (3), 235-258.

Pohlmann, B., Heckt, M. (2011). Überfachliche Kompetenzen. In: Hamburg macht Schule 1/2011, S. 36-37.

Weinert, F. (2001): Concept of Competence: A Conceptual Clarification. In: D. S. Rychen & L. H. Salganik (Hg.), Defining and selecting key competencies. Seattle/Toronto/Bern/Göttingen, S. 45 – 66.